Das Problem an Facebook

Facebook und Social Networks allgemein sind ein Thema mit dem ich mich zur Zeit wieder viel auseinander setze. Soziale Netzwerke sind sowohl als Software, wie auch als Kommunikationswerkzeuge faszinierend. Allerdings hat der Umstand, dass ich mich viel damit beschäftige auch den Effekt, dass ich wieder den Gedanken mit mir rumtrage, meinen Facebook-Account zu schließen:
Während die Möglichkeit sich mit Freunden, Bekannten und Verwandten aus der ganzen Welt auszutauschen genial ist, stoßen mir einige Dinge sauer auf.
1. Datenschutz
Was weiß Facebook über dich: Video von Europe vs Facebook
Zusammengefasst: Von deinen persönlichen Daten, über deine Nutzungszeiten, deine biometrischen Daten, deine sozialen Kontakte zu allem was du jemals über das Netzwerk ausgetauscht hast. Zusätzlich aber auch noch, alles was andere Leute jemals über dich gesagt haben. Alles wird und bleibt gespeichert.

Das wäre schon schlimm genug, aber wird noch besser: Laut einem interview mit einer Mitarbeiterin von Facebook haben alle Mitarbeiter Zugang zu mehr oder weniger allen gespeicherten Daten. Früher hatten alle Mitarbeiter sogar die Möglichkeit Profile zu ändern, inzwischen ist wenigstens das nicht mehr möglich: Facebook Mitarbeiterin plaudert aus dem Nähkästchen

Jetzt wird die ganze Sache noch lustiger: Wer sich schon mal bei Facebook eingeloggt hat, von dem wird auf jeder Seite mit einem Facebook “gefällt mir”-Button gespeichert, dass er die Seite aufgerufen hat. Wohlgemerkt unabhängig davon, ob man diesen angeklickt hat oder nicht. (Dagegen hilft, die Cookies von Facebook regelmäßig nach dem ausloggen zu löschen.) Diese Buttons sind inzwischen auf einer Unmenge von Seiten zu finden.
Einen schönen Bericht gibt es in diesem Artikel: Wie die Medien für Facebook Daten sammeln

Professor Eben Moglen (Professor of Law, Columbia Law School) drückt das Problem noch viel deutlicher aus:

“You injure other people today also using social media. You’ve informed on them. You’ve created more records about them. You’ve added to the problems not of yourself but of other people. If it were as simple as just you’re only hurting yourself I wouldn’t bother pointing it out to you. See, that’s the difference, okay? The reason that this all works is that even when you know you’re hurting other people, you’re too selfish to stop. And there are hundreds of millions of people like you. That’s why it works.”

Ganzer Artikel: Eben Moglen yells at me for being on facebook

Sehr schöne Satire (Facebook als CIA-Branch): Facebook als CIA-Ableger

2. Nutzungsbedingungen
Wenn man etwas auf Facebook hochlädt erklärt man sich einverstanden mit diesen Bedingungen:

By posting User Content to any part of the Site, you automatically grant, and you represent and warrant that you have the right to grant, to the Company an irrevocable, perpetual, non-exclusive, transferable, fully paid, worldwide license (with the right to sublicense) to use, copy, publicly perform, publicly display, reformat, translate, excerpt (in whole or in part) and distribute such User Content for any purpose, commercial, advertising, or otherwise, on or in connection with the Site or the promotion thereof, to prepare derivative works of, or incorporate into other works, such User Content, and to grant and authorize sublicenses of the foregoing.

Mit anderen Worten, nicht nur überträgt man Facebook Nutzerrechte, sondern erlaubt auch das Recht die Bilder und Werke zu verkaufen oder beliebig zu remixen und weitere Werke abzuleiten. Während Facebook verneint die Rechte diesartig einzusetzen, steht dem nichts im Wege.

In wenigen Wochen wird bei Facebook das Profil umgestellt, so dass man besser die wichtigen Punkte aus dem Leben des Nutzers lesen kann, so soll man auf der “Timeline” lückenlos bis zur Geburt zurückscrollen können und die Ereignisse nach Wichtigkeit hervorgehoben erkennen können. Ein Traum für jeden Stalker, Ermittlungsbehörden und Staaten, die ein Problem mit Meinungsfreiheit haben.

3. Facebooks Kunden
Facebooks Kunden sind nicht die Nutzer – oder wie Facebook gerne sagt, “Fans” – sondern die Werbeindustrie. Tatsächlich scheint Mark Zuckerberg (CEO und Erfinder von Facebook) allgemein keine besonders hohe Meinung von seinen Nutzern zu haben: Mark Zuckerberg admits to calling users dumb fucks for trusting him with their private data
Mithilfe der umfassenden Daten schaltet Facebook Leuten deren Beziehungsstatus auf “Single” wechseln Werbung für Online-Dating-Börsen, Leuten mit Geldproblemen Kreditwerbung und so weiter. Würde mich nicht wundern, wenn sie auch Ehefrauen, deren Mann fremd geht Werbung für Detektivbüros schalten würden. ;)
Zum Thema hat der NDR eine sehr schöne Doku produziert: Milliardengeschäft Facebook (ca. 44 minuten).

So, nachdem ich jetzt meine Paranoia voll verbreitet habe: Warum habe ich eigentlich noch einen Facebook-Account? Gute Frage! Ich brachte es bisher einfach nicht übers Herz den Kontakt abzubreichen, den ich auf diesem Weg mit einigen Leuten halte, die auf dem Globus verstreut leben. Es ist leicht dort irgendwie trotzdem ein bißchen was mitzubekommen, was die Verwandtschaft in USA treibt, dass die Bekannte in Litauen geheiratet hat, was die Kameraden im Entwicklungshilfe-Praktikum in Afrika erleben usw. Facebook bietet auch eine prima Plattform um Events zu organisieren oder eben Bilder mit anderen zu teilen.

Es gibt aber auch Alternativen:
Das zur Zeit zweitgrößte Social-Network G+ ist sicherlich nicht besser, wenn man sich Sorgen um Datenschutz macht, da Google nunmal ebenfalls Unmengen an Daten sammelt, aber immerhin nimmt Google Datenschutz ernster als Facebook. So kann man auf Google zum Beispiel Einsicht nehmen, welche Daten Google über einen speichert: Googles Dashboard
Und Google hat erst kürzlich wieder eine Privacy Policy herausgegeben, die versichert, dass Google (im Gegensatz zu Facebook) keine Daten an Dritte weitergibt, außer wenn ein richterlicher Beschluß dies verlangt.

Mein derzeit präferiertes Netzwerk ist Diaspora*, ein open-source, dezentrales Netzwerk. Das Netzwerk ist nichtkommerziell und jeder mit dem entsprechenden Know-How kann seinen eigenen Server betreiben. Dadurch gibt es keinen der Zugriff auf alle Daten hat. Die Software funktioniert schon, ist allerdings erst im Alpha-Stadium, also noch nicht ganz ausgereift. Mehr Information findet man unter http://diasporaproject.org/.
Wer sich einen Account macht, darf mich gerne hinzufügen: https://joindiaspora.com/u/alszacrel

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